Anke Helfrich Trio

SWR Studio Tübingen am 3.3.2020

Anke Helfrich, piano
Dietmar Fuhr, bass
Jens Düppe, drums

In der Reihe „Jazz im Studio“, die der Jazzclub Tübingen und der SWR Tübingen seit 20 Jahren zusammen veranstalten, haben Jazzfreunde die Möglichkeit, in einem ehemaligen Hörspielstudio im ganz intimen Rahmen Jazz live zu erleben.

Erstmals war hier nun Anke Helfrich, eine der renommiertesten deutschen Jazz-Pianistinnen, zu Gast. Sie kam im Trio mit ihren langjährigen, ebenfalls hochkarätigen Mitmusikern Dietmar Fuhr (Bass) und Jens Düppe (Schlagzeug, WDR-Jazzpreis Improvisation 2019). Mit ihrem bestens aufeinander eingespielten Trio präsentierte die Bandleaderin Meisterstücke ihrer letzen Alben und drei neue Kompositionen.

Von Ende 2015 veröffentlichten, von der Kritik in höchsten Tönen gelobten Album „Dedication“, das ihr 2016 den ECHO Jazz als „Instrumentalist/in des Jahres National – Piano/Keybards“ einbrachte, präsentierte Helfrich die spektakulären Stücke „Invictus“ und „The Prize“, auch die persönlicheren Stücke „Sagrada Familia“ und „Aspettami“ waren dabei.

Die im kurpfälzischen Weinheim an der Bergstraße beheimatete Pianistin, die prägende Kindheitsjahre mit ihrer Familie in Namibia erlebte, hat auf „Dedication“ wichtige Ereignisse und Eindrücke ihres Lebens dokumentiert. So sind die Apartheidserfahrungen der Kindheit im Stück „Invictus“ verarbeitet, eine musikalische Neuschöpfung des gleichnamigen Gedichts von William Ernest Henry. Es soll Nelson Mandela während seiner langen Haftzeit geholfen haben, so erzählt Helfrich. Kompositorisch hat sie das Stück so angelegt, dass der beim Live-Konzert von ihr selbst gesprochene Gedichttext und die Musik effektvoll miteinander kommunizieren und in der beschwörenden Verszeile „I am the master of my fate, I am the captain of my soul! „ ihren Höhepunkt finden.

Musikerin mit Message

Auch im Tübinger SWR-Studio wird klar: Anke Helfrich gehört zu den Jazzmusikern, die über die Musik hinaus etwas mitzuteilen haben. So erinnert sie z. B. im Konzert daran, dass der amerikanische Bürgerrechtler und Priester Martin Luther King den Begrüßungstext für das 1964 von Joachim-Ernst Berendt ins Leben gerufene Jazzfest Berlin verfasst hat, in dem er auch zum Ausdruck brachte, wie wichtig der Jazz für die Bürgerrechtsbewegung in den USA gewesen sei.

Anke Helfrich, die fest im amerikanischen Modern Jazz verwurzelt ist und Thelonious Monk als wichtiges Vorbild nennt, hat sich selbst viel mit der sozialen und politischen Bedeutung des Jazz beschäftigt und steuert auch an diesem Abend ihren Beitrag bei – mit dem Masterpiece des Albums Dedication: „The Prize“, eine hochemotionale 12-minütige Vertonung von Martin Luther Kings berühmter Rede „I Have A Dream“. Vom Laptop spielt sie die Rede ein, kraftvolle Improvisationen und Klangcollagen umfassen und überlagern den aufrüttelnden, ikonischen Text.

Speziell dem Tübinger Publikum mitgebracht hat Anke Helfrich ihr Stück „Der Turm“ vom Album „Better Times Ahead“, das sie 2005 mit Roy Hargrove aufgenommen hat, denn es schien ihr so passend zur Wiedereröffnung des Hölderinturms, über den sie bestens informiert ist. Doch hat sie für diesen Abend das Stück ergänzt um einen wundervollen Hölderin-Vers, den sie dazu spricht und singt: [Ehmals und jetzt]

In jüngern Tagen war ich des Morgens froh,
Des Abends weint ich; jetzt, da ich älter bin,
Beginn ich zweifelnd meinen Tag, doch
Heilig und heiter ist mir sein Ende.

Im zweiten Set präsentiert Anke Helfrich dann auch noch drei neue Stücke, die neugierig machen auf das nächste Album: „Time Will Tell“, „Sphere“, eine Widmung an den verehrten Thelonious Monk, und als Zugabe einen noch nicht weiter betitelten „Waltz“.

Mit ihrem gefühlvollen, energetischen Spiel, ihren originellen Kompositionen, die muntere Tempowechsel beinhalten, aber ohne Notenraserei auskommen, und ihren bluesinspirierten Harmonien sorgt Anke Helfrich auch in Tübingen dafür, dass ihr Publikum bei jeder Note hellwach dabei ist. Beim Rausgehen nur glückliche Gesichter.

Claudia Rodi

Unser Konzertbericht: Anke Helfrich solo – im Bechstein Centrum Tübingen 2017

Unser Konzertbericht: Anke Helfrich Trio im Jazzkeller Esslingen 2013

Portraits von Anke Helfrich

Portraits von Dietmar Fuhr

Portraits von Jens Düppe