BIRD LIVES Quartet zum 100sten von Charlie Parker

„midsummernight jazz“ mit dem BIRD LIVES Quartet im Club Voltaire Tübingen

Markus Harm (as)
Martin Trostel (p)
Florian Dohrmann (b)
Dieter Schumacher (dr)

Bird lives – powervolle Hommage zu Charlie Parker`s Hundertstem

Tübingen, 22. Juli 2020

Halbzehn, Mittwochabend, in einer Art Hinterhof neben dem Eingang zum Club Voltaire dreht sich Altsaxofonist Markus Harm eine American Spirit und lächelt leicht geschafft. „Man muss sich mal vorstellen„, sagt er, „dass die damals drei Sets hintereinander gespielt haben…ziemlich irre, oder….“ Die damals, damit meint er in dem Fall das Charlie Parker Quintett und die Jazzclubs zum Beispiel in New York, und dass es damals in den 40er und 50ern üblich war, zwei, drei Konzerte direkt hintereinander zu spielen.

Halbzehn, Mittwochabend, das war zwischen Corona – bedingten zwei 60 – Minuten Sets für jeweils nur 20 Zuschauer. Das Quartett Florian Dohrmann (b), Markus Harm (as), Dieter Schumacher (dr) und Martin Trostel (p) spielte sich zum 100. Geburtstag von Charlie Parker – genannt „Bird“ –  in einer viel zu kurzen Stunde durch dieses wahrscheinlich atemlose Leben des legendären Saxofonisten, der – vielleicht – Ikone des Jazz schlechthin.

Markus Harm am Altsaxofon, besonders im Focus, war sich der Herausforderung bewusst, spielte sich vom ersten Stück an in seine Rolle hinein:  Yardbird Suite, scrapple from the apple, eine grandiose Night in Tunesia. Der junge Ex-Tübinger, inzwischen in Nürnberg zuhause,  schafft sich rein, in die Stücke, in den Bebop. Sein Ton manchmal fast rotzig, und auch die ganze Band macht deutlich: Das war keine gemütliche Angelegenheit, damals, in den 40ern, als man auf der Überholspur Swing und Dixieland hinter sich ließ. Als Beat – Poeten wie Jack Kerouac oder Allen Ginsberg im Parker– oder Gillespie – Sound ihr Amerika – Bild zeichneten, als der 2. Weltkrieg tobte und die Saxofone rasten, kreischten und weinten.

Martin Trostel am Piano skizziert den Rahmen, setzt seine Akzente, wechselt sich als Solist mit Harm ab, rast über die Tasten oder bremst den Express, um zwischen den Stücken in kurzen Schlaglichtern aus Charlie Parkers Leben zu erzählen. Wie der aus Kansas City nach New York kam, über schnelle Erfolge und Niederlagen, über den Durchbruch, drei Ehefrauen, über das legendäre Quintett und immer wieder über Drogen, über das Heroin, das den grandiosen Musiker letztlich im Alter von 35 Jahren das Leben kostete.

Florian Dohrmann am Bass, Dieter Schumacher am Schlagzeug, mehr als nur Begleitmusiker:  Beide sind Bebop – mäßig impulsive Solisten, verlassen gern und gut ihr festes Schema, brillieren in Zwiegesprächen, sorgen für Dampf und auch immer wieder für gutes Ankommen.

Bird lives – eine rasante und runde Stunde. Der Bebop ist lebendig an diesem Abend – wenn das der Plan des Quartetts war – er ist geglückt.

Thomas Hagenauer

Portraits vom Bird Lives Quartet

Portraits von Markus Harm

Portrait von Martin Trostel

Portraits von Florian Dohrmann

Portraits von Dieter Schumacher