Nubya Garcia

Sudhaus Tübingen am 2.11.2019

Nubya Garcia, saxophon
Alastair MacSween, keys
Daniel Casimir, bass
Jasmine Kayser, drums

Unerhört neue Töne aus der britischen Jazzszene

London ist zur Zeit der „Place to be“ um frischen, neuen Jazz zu hören. Deshalb hat der Tübinger Veranstalter „Jazz im Prinz Karl“ das Quartett der englischen Tenorsaxophonistin Nubya Garcia ins Sudhaus eingeladen. Nubya Garcia gehört zu den herausragenden Köpfen dieser jungen Musikergeneration im Vereinten Königreich – und sie hat einen maßgeblichen Anteil an der Wiederbelebung der Londoner Jazzszene.

Das Konzert ist sehr gut besucht, einige junge Gesichter sind darunter, Jazz zieht jetzt wohl nicht nur in den Großstädten auch jüngeres Publikum an. Umso besser.

Nubya Garcia ist stark am Tenorsaxophon, ein toller Bassist (Daniel Casimir), eine ziemlich junge Drummerin (Jasamine Kayser) und der Keyboarder Alastair MacSween bilden die Band, die scheinbar noch nicht oft zusammengespielt hat. Das lässt sich gelegentlich aus einem eher Nebeneinander-als-Miteinander-Spiel feststellen, obwohl vor allem der vorzügliche Bassist Casimir und Garcia „sich gekonnt die Bälle zuwerfen“. Er spielt sehr melodisch und trotzdem rhythmisch vielseitig. Die Drummerin kann leider keine besonderen Akzente setzen, der Keyboarder am E-Piano sorgt für eine runde Untermalung und kann gelegentlich eigene Tupfer setzen.

Nubya ist der Mittelpunkt

Im Mittelpunkt steht aber ganz eindeutig Nubya. Drumkit und Keyboard, jeweils auf Podesten, sind etwas nach hinten gerückt, dazwischen der Stehbass und davor ist eine Art Laufsteg, auf dem Garcia auf und ab stolziert und ihr „vintage“ Tenorsaxophon ins Publikum reckt. Sie lässt aber ihren Mitmusikern Platz, tritt an den Rand der Bühne, wo sie – ganz in die Musik versunken – freudestrahlend tanzt. Gekleidet in einem olivgrünen Overall, geflochtene Zöpfe lugen unter ihrer Wollmütze hervor. Ihr Auftreten ist selbstbewusst, stilvoll steht die junge Frau auf der Bühne und macht ihr Ding. Beeindruckend!

Garcia spielt kraftvoll, kreativ und ausdrucksstark, man hört in ihren Stücken, die sie alle selbst komponiert hat, Anklänge an John Coltrane und an die Karibik; Afrobeat, HipHop aber auch Clubsounds lassen sich heraushören. Das ist der Stoff, aus dem die lebendige Londoner Szene ihr Potential schöpft. Garcia gelingt eine musikalische Mischung, ein Amalgam aus all diesen Einflüssen. Das klingt so neu, so erfrischend, so vital, dass die manchmal etwas gleichförmige klassische Jazzmusik ziemlich verschlafen erscheint.

Die Band kommt bestens an, die Zuhörer sind begeistert und erklatschen sich eine Zugabe, die zum Höhepunkt des Abends wird. Der Band gelingt live eine überzeugend schöne Version des siebenminütigen Titels „Lost Kingdoms“ von Garcias Debüt-EP „5ive“ (2017). Nubya und die ganze Band haben ihren Auftritt genossen, sie wollen wiederkommen – und „Jazz im Prinz Karl“ hat nichts dagegen, sich von unerhört neuen Klängen aus dem Vereinten Königreich erfrischen zu lassen.

Helmut Hugo Burkhardt